"In jedem von uns steckt die Möglichkeit, ein zufriedeneres und bewußteres Leben zu führen."

Gerda Boyesen

 

Biodynamik – Fluss des Lebens

(von Dennis Heydrich, 10.9.2016)

Die Biodynamische Psychologie und Körperpsychotherapie (kurz: Biodynamik) ist eine der ältesten, körperorientierten Therapieformen in Europa und wurde in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts von der norwegischen Psychologin und Physiotherapeutin Gerda Boyesen begründet. Sie gehört zum Kreis der Humanistischen Psychotherapien. Gerda Boyesens Töchtern Ebba und MonaLisa, die die Arbeit ihrer Mutter beständig fortgeführt und weiterentwickelt haben, verdankt die Biodynamik seit den 90er Jahren neue Ansätze, wie Alpha Nursing, Biorelease und Psychoenergetik. Biodynamische Körperpsychotherapie ist mittlerweile eine anerkannte, tiefenpsychologisch fundierte Therapieform und wird von Therapeuten in vielen Ländern in Europa praktiziert.

 

Leben ist Veränderung

Biodynamik versteht das Leben als eine ständige Bewegung (Bios heisst Leben und Dynamik meint eine auf Veränderung gerichtete Kraft.), einen steten Fluss von Veränderung. Schon der griechische Philosoph Heraklit beschreibt diese Auffassung mit dem Ausdruck „Panta rhei“ (Alles fliesst). Biodynamische Therapie ist deshalb darauf ausgerichtet erstarrte Bereiche unserer Lebenskraft wieder in Bewegung zu bringen, um sie einer Veränderung zugänglich zu machen. Solche Erstarrungen können auf allen Ebenen des menschlichen Wesens auftreten - körperlich, emotional, rational, energetisch, geistig oder sozial. Jede Ebene wird dabei als natürliche Ausdrucksform eines ganzheitlichen Lebensprozesses verstanden.                      

Die Biodynamik glaubt, dass der Mensch natürlicher Weise ganz und aus sich heraus ohne Mangel ist und sieht ihn als Teil einer größeren Ganzheit, die über ihn hinaus reicht. Sie erkennt diese in seinem essentiellen Wesenskern, welcher „Primärpersönlichkeit“ genannt wird. In Form unseres ursprünglich spontanen und authentischen Wesens ist sie in jedem von uns zu finden. Werden wir uns ihrer bewusst, sind wir in Fühlung mit dem Sein und begegnen dem Leben voller Kraft, Freude, Ruhe, Vertrauen und Vitalität. Den Kontakt zu diesen Qualitäten bewusst zu machen, unmittelbar zu erleben und in der Welt auszudrücken, ist das vornehmlichste Anliegen der Biodynamischen Körper- und Psychotherapie.

 

Therapeutische Haltung und Methoden der Biodynamik

Die therapeutische Haltung ist dabei grundsätzlich einladend, akzeptierend und ermutigend. Viel Wert wird auf einfach da sein und Geschehenlassen gelegt. Die bewusste Aufmerksamkeit und annehmende Präsenz des Therapeuten schafft einen geschützten, therapeutischen Rahmen, in welchem die Klienten auf allen Ebenen eingeladen sind sie selbst zu sein. In einer Atmosphäre von Sicherheit und Vertrauen können seelische Belastungen bearbeitet und mit ihnen verbundene Konflikte gelöst werden. Die damit einhergehende Erfahrung von Grund auf „richtig“ zu sein, bildet eine wichtige Vorraussetzung für gesundes Wachstum und weitere Entwicklung.

In der therapeutischen Anwendung begegnen einem bei der biodynamischen Therapie eine Vielfalt an Methoden und Interventionen mit langem Erfahrungshintergrund. Neben dem therapeutischen Gespräch, wird beispielsweise mit Bewegung, Körperwahrnehmung, inneren Bildern, Atem, Stimme, spontanen Impulsen oder kreativen Elementen gearbeitet, aber auch mit direkter Körperarbeit, Massage und Berührung.

Eine Besonderheit ist dabei die von Gerda Boyesen entwickelte biodynamische Massage und Körperbehandlung: Gerda Boyesen entdeckte, dass unser Verdauungssystem in der Lage ist durch vegetative Erregungszustände erzeugte, toxisch-hormonelle Rückstände zu verarbeiten und auszuscheiden. Diese Rückstände sind in den Gewebeschichten des Körpers eingelagert und werden durch die Massage bearbeitet. Dabei entspannt sich der Organismus, die Peristaltik kann sich „öffnen“ und auf vegetativer Ebene zur emotionalen Verarbeitung beitragen. Deshalb wird bei der biodynamischen Körperbehandlung meist ein Stethoskop auf den Bauch gelegt, dessen leise Geräusche eine wichtige Rückmeldung über den Zustand des vegetativen Nervensystems darstellen. Wenn Stress und Anspannung losgelassen werden, können sich Entspannungszustände und „strömende“ Empfindungen einstellen, die als „schmelzend“ wohltuend empfunden werden und eine heilsame Wirkung für die körperseelische Integration darstellen.

 

Das Ziel: ein unabhängiges Wohlbefinden

Die behutsame therapeutische Balance zwischen der sanften Auflösung von Anspannung und Schmerz, Ausdruck von Gefühlen, sowie Reflexion von Erfahrungen ermöglicht eine schrittweise Aufarbeitung und Integration dessen, was für die Klienten in ihrer gegenwärtigen Lebenssituation belastend oder blockierend ist.

Damit einhergehend kann zunehmend ein unabhängiges Wohlbefinden von Menschen entstehen, die sich mit sich selbst wohl fühlen und im eigenen Körper und auf der Welt zuhause sind. Dies schafft eine solide Basis, von der aus vertrauensvoll und den individuellen Bedürfnissen entsprechend, das eigene Leben und die Beziehungen zu anderen Menschen gestaltet werden können.

 

Dennis Heydrich ist Therapeut, Coach, Seminar- und Kursleiter in Hannover-List. Er ist Inhaber einer Praxis für körperorientierte Psychotherapie und Coaching und gibt Workshops und Seminare mit den Schwerpunkten Resilienz, Achtsamkeit und essenzielle Entwicklung (www.dennis-heydrich.de)

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